Blizzard Entertainment: Die Sperrung des Hearthstone-eSportlers "Blitzchung" stößt auf viel Kritik

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Die Sperrung des Hearthstone-eSportlers "Blitzchung" (Ng Wai Chung), der im offiziellen taiwanesischen Live-Stream zur "Befreiung Hongkongs" aufrief und damit laut Blizzard Entertainment gegen die Teilnahmebedingungen bei den "Asia-Pacific Grandmasters" verstieß, hat weltweit heftige Kritik ausgelöst.

In den besagten Turnier-Teilnahmebedingungen steht, dass solche Konsequenzen für eine mögliche Rufschädigung des Unternehmens (Blizzard) oder für öffentliche Beleidigungen von bestimmten Gruppen/Gesellschaften vorgesehen wären. Alle Teilnehmer dieser von Blizzard organisierten Turniere müssten sich an diese Regeln halten, dennoch würden sie das Recht auf freie (öffentliche) Meinungsäußerung respektieren, heißt es in dem Blog-Beitrag, in dem vorsichtshalber gar keine Kommentare zugelassen wurden. Als Folge dieser Sperrung wird "Blitzchung" kein Preisgeld in Season 2 (ca. 10.000 Dollar) erhalten und darf ein Jahr lang nicht mehr an eSports-Turnieren von Blizzard teilnehmen.

Laut dem eSport-Magazin Inven Global hatten die beiden Kommentatoren, die das Interview mit "Blitzchung" geführt hatten, ihn aufgefordert, seine Botschaft in Mandarin zu wiederholen. Daraufhin versteckten sich die Kommentatoren vor der Kamera. Der Stream wurde kurz darauf von einer Werbepause unterbrochen. Die Aufzeichnung auf Twitch wurde später von Blizzard gelöscht. Die Zusammenarbeit mit zwei Kommentatoren wurde ebenfalls beendet.

In einer weiteren Stellungnahme auf Weibo (Nachrichtendienst à la Twitter) verurteilte Blizzard die Aussage von "Blitzchung" und verteidigte den "Stolz Chinas".


just as the NBA's original Chinese Weibo statement was pretty harsh on Daryl Morey compared to the English statement, Blizzard's official Hearthstone Weibo post made an additional comment condemning blitzchung and defending 'the pride of China'https://t.co/uG6fjpcYhB pic.twitter.com/HBGdjDlwVm

— Rod Breslau (@Slasher) October 9, 2019
Die Reaktionen vieler Spieler (weltweit) auf diese Aktion von Blizzard fallen weitgehend negativ aus. In sozialen Netzwerken und bei Reddit wird dem US-amerikanischen Spiele-Hersteller vorgeworfen, dass sie allein aus wirtschaftlichem Interesse am chinesischen Markt die freie Meinungsäußerung zensieren würden, so jedenfalls der in der Luft liegende Tenor. Der Hashtag "#BlizzardBoycott" landete in den Top 10 in den USA und bei Reddit gab es Tausende von Upvotes für entsprechende Threads in Blizzard-Unterforen (Zusammenfassung). Es werden auch allerlei Screenshots verbreitet, auf denen zu sehen ist, wie manche Leute die Spiele von Blizzard Entertainment deinstallieren. Übrigens: Mittlerweile werden Memes zu "Pro Hong Kong Mei" (Mei aus Overwatch) immer beliebter.


in a post-match Hearthstone Grandmasters winning interview, Hong Kong HS player @blitzchungHS said "Liberate Hong Kong, revolution of our age!"

in response, Blizzard Taiwan has now deleted the VOD from their official Twitch channel https://t.co/l5lcMu4ULR

— Rod Breslau (@Slasher) October 7, 2019
Hintergrund sind die seit Monaten andauernden Proteste für mehr Demokratie in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. Das Branchen-Magazin GamesWirtschaft schaut weiter über den Tellerrand und bringt Tencent ins Spiel: "Der chinesische Weltmarktführer Tencent hält fünf Prozent an den Activision-Blizzard-Aktien. Gerade im Mobilegames- und eSport-Segment ist Tencent eine Macht: Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren unter anderem Riot Games (League of Legends) und Supercell (Clash Royale) übernommen. Tencent ist zudem an Epic Games (Fortnite) und Ubisoft (Rainbow Six Siege) beteiligt. Auch in anderen Branchen wird der Hongkong-Konflikt zur Belastungsprobe der bilateralen Beziehungen zu China: So führte ein Pro-Hongkong-Tweet eines Managers des Basketball-Teams Houston Rockets dazu, dass das chinesische Staatsfernsehen die Live-Übertragung von NBA-Spielen vorläufig einstellt."

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